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21.12.2016 17:18 Alter: 189 days

Weihnachtsbotschaft 2016

des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos


Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Auch in diesem Jahr haben wir das besondere Privileg, in Frieden die Geburt Christi zu feiern und gemeinsam mit den Engeln zu singen „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden unter den Menschen guten Willens.“ Dies, was für uns so selbstverständlich ist, ist für viele Christen auf der Welt schwierig oder gar unmöglich. Ich denke dabei an jene, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, an jene, die Weihnachten in einer Flüchtlingsunterkunft hungrig nach Nahrung und nach Solidarität in der Kälte des Winters feiern werden, an jene, die in einer feindseligen Umgebung leben, wo auch die kleinste Äußerung ihres Glaubens sie sogar das Leben kosten kann. Ich denke aber auch an jene Christen, die mit Krankheit, Verlassensein, Einsamkeit, Trübsal und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen haben. Es scheint, als hätten die Engel für einen Augenblick ihren Hymnus unterbrochen auf der Suche nach der verletzten Menschenwürde und der verlorenen Hoffnung unserer Welt.

Wenn wir also hören „und auf Erden Frieden“, kommt uns unwillkürlich der Gedanke in den Sinn, dass der Friede ein unerfüllbarer Traum ist und bleibt. Die meisten von uns verstehen dabei den Frieden entweder als die Vision von einer besseren Welt ohne Kriege oder auch als einen Zustand der inneren Ruhe und seelischer Gelassenheit. Der Friede jedoch, den die Engel verkünden, ist mehr als das; er ist mehr als der Friede unserer Seele oder die Abwesenheit von Krieg.

Der Friede ist Christus selbst. Deshalb preisen wir Gott, denn Gott belässt es nicht bei Worten: Er offenbart sich den Menschen, er kommt in die Welt und in die Geschichte; auf diese Weise „öffnet er ein Fenster des Himmels, damit die Welt vom hellen Schein Gottes erleuchtet werde.“[1]

Der wahre Frieden ist Christus, denn nur er befreit uns von unseren wirklichen Albträumen, von der Sünde nämlich und den Mächten des Bösen, von Verderben und Tod. So lange es all dies auf Erden gibt, so lange gibt es keinen Frieden. Christus wird Mensch und befreit uns durch sein ganzes Heilswerk davon; er stellt die richtige Beziehung zwischen Gott und dem Menschen wieder her. Dies ist der Friede, „den die Kirche hier und heute verkörpert und den die Gläubigen durch ihre Teilhabe am Heilswerk der Kirche erleben. Der Friede ist Christus und die Erfahrung der Vereinigung mit ihm in der Kirche.“[2]

So wahr es auch sein mag, dass unsere Erde nur dann den Frieden finden wird, wenn alle Menschen diesen Frieden als Versöhnung mit Gott akzeptieren, so weit scheint dies doch von der Realität des heutigen Menschen entfernt zu sein, für den die Sünde kein Thema ist und der auf jede mögliche Art und Weise die Realität des Todes verdrängt; er tut dies, indem er materialistisch und egoistisch im Heute lebt, als ob es kein Morgen gäbe. Deshalb ist auch die aktive Beteiligung der Kirche an der Suche nach Frieden in der Welt gemeinsam mit allen anderen, die sich darum mühen, so wichtig. Und ebenso wichtig ist, dass jedes Handeln der Kirche auf der Erfahrung der Menschwerdung Christi basiert, da sie der Anbeginn der Wandlung unserer Welt und der Erlösung des Menschen ist.

Nur so erhoffen wir das Kommen des Friedens und bitten darum. Nur so - ohne das Gefühl vergeblichen Handelns oder der Enttäuschung durch Rückschläge jeder Art - treten wir den täglichen Kampf für die Veränderung von Situationen, von Menschen und auch von uns selbst an und verkünden der Welt die Frohe Botschaft: dass die Versöhnung der Menschen mit Gott und unter einander geschehen möge und endlich Gott gepriesen werde.

Zum diesjährigen Fest der Geburt Christi wünsche ich, dass wir mit unserem Erlöser Christus in der Kirche verbunden bleiben, welcher der Friede der Welt ist, und dass diese Verbindung uns inspirieren möge, immer wieder Möglichkeiten zu entdecken, dem Menschen neben uns oder in der Ferne zur Seite zu stehen. Dies gilt insbesondere für den leidenden Mitmenschen; so können wir dazu beitragen, dass das Fenster des Himmels geöffnet bleibt, damit die Welt vom hellen Schein Gottes erleuchtet werde.

Gesegnete Weihnachten!

 

Bonn, 25. Dezember 2016

 

Euer Metropolit Augoustinos von Deutschland



[1] Vas. P. Stogiannos, «Ἐπὶ γῆς εἰρήνη (Σχόλιο στὸ Λουκᾶ 2,14)», in: Ἑρμηνευτικὰ Μελετήματα, Βιβλικὴ Βιβλιοθήκη 4, Hrsg. Pournaras, Thessaloniki 1988, S. 322.

[2] Vas. P. Stogiannos, ibidem, S. 323.