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21.06.2018 15:34 Alter: 122 days

Begrüßung beim Jahresempfang 2018

von Metropolit Augoustinos von Deutschland


Bonn

(11. Juni 2018)

 

Exzellenzen, hochwürdige Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, 

liebe Brüder und Schwestern aus den Kirchen unseres Landes,

sehr geehrte Vertreter des diplomatischen und des konsularischen Corps,

verehrte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur,

sehr geehrte Damen und Herren!

 

Διηγήσομαι τὸ ὄνομά σου τοῖς ἀδελφοῖς μου, ἐν μέσῳ ἐκκλησίας ὑμνήσω σε (Psalm 21, 23)

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen.

 

Gestatten Sie mir, Sie heute mit diesen Worten des Psalmisten zu unserem Jahresempfang zu begrüßen. Ich tue dies wie jedes Jahr ἐν μέσῳ ἐκκλησίας, mitten in unserer Kirche, nachdem wir mit der Doxologie soeben unseren LobpreisGottes verkündet haben. Und diese Begrüßung gilt Ihnen τοῖς ἀδελφοῖς μου, verehrte Brüder und Schwestern, die Sie heute den Weg nach Bonn-Beuel gefunden haben. 

 

Ja, als Brüder und Schwestern, begrüße ich Sie, weil mir das Wort der ἀδελφοσύνη, der Brüderlichkeit – oder wie man im Deutschen politisch korrekter übersetzt: der Geschwisterlichkeit – zunehmend wichtiger wird. Es handelt sich ja um einen Begriff, der schon immer zum Sprachgut der Kirche gehörte, lange vor der „fraternité“ der Französischen Revolution. Ich bin der Auffassung, dass mit diesem Wort nicht nur unsere Abstammung vom gleichen himmlischen Vater zum Ausdruck kommt, zu dem wir „mit Freimut und unverurteilt“ „Vater unser“ sagen dürfen. Die Adelphosyne beinhaltet meines Erachtens auch eine besondere Art des Umgangs miteinander, denn sie begründet die Philadelphia, die Geschwisterliebe.

Lebenslang füreinander Einstehen, Nie-Getrennt Sein, selbst wenn man räumlich getrennt ist, Mit-Fühlen, Mit-Freuen, Mit-Leiden mit dem Anderen, das sind für mich Merkmale der Adelphosyne (Brüderlichkeit). Und es tut gut, Geschwister zu haben, in der Familie, in der Kirche, in der Welt. Ja, es tut gut, Sie als Geschwister zu haben.

Gestatten Sie mir in diesem Sinne aus der Schar der versammelten Geschwister einen ganz besonders zu begrüßen: den Festredner des heutigen Tages, Seine Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki, den Erzbischof von Köln.

Hochwürdigster Herr Kardinal, lieber Mitbruder,

Ihre diesjährige Teilnahme und insbesondere die freundliche Annahme meiner Bitte, heute zu uns zu sprechen, verleiht dem Jahresempfang im 55. Jahr des Bestehens der Metropolie einen besonderen Glanz und eine besondere Bedeutung. „Ganz erlöst, weil ganz von Gott angenommen“ haben Sie als Titel Ihrer Ausführungen gewählt und ich freue mich bereits, ein Werkstück profunder Theologie von Ihnen zu hören. Gestatten Sie mir aber zuvor noch eine persönliche Bemerkung:

In brüderlicher Hilflosigkeit verfolgen wir die Diskussionen, die zur Zeit in Ihrer Kirche stattfinden. Und in brüderlicher Solidarität wünschen wir Ihnen und Ihrer Kirche, jene Lösungen zu finden, welche die Kirchenlehre und die pastorale Verantwortung miteinander in Einklang bringen. Selbstverständlich sind uns die Herausforderungen der konfessionsverschiedenen Ehen  genau so bekannt wie Ihnen. Die orthodoxen Christen sprechen gern von der „Oikonomia“, jener Möglichkeit eine kirchliche Vorschrift oder Regel zu übergehen, wenn es dem Heil der betreffenden Person, eben ihrer Oikonomia, dienlich ist. Aber kein geringerer als der Ökumenische Patriarch Bartholomaios, dessen Namenstag uns ja heute zum Jahresempfang zusammengeführt hat, hat einmal gesagt: „In dem Augenblick, in dem man die Möglichkeiten der Anwendung von Oikonomia definiert, wird die Oikonomia selbst zur Regel oder zur Vorschrift...“

Wenden wir uns heute also lieber der „Erlösung und der Annahme durch Gott“ zu.

Gestatten Sie mir bereits jetzt, Sie alle im Anschluss an die Worte des Herrn Kardinals zum Empfang im Saal gegenüber und im Hof unserer Metropolie einzuladen. Wie jedes Jahr werden wir auch heute Gelegenheit zu guten Gesprächen und einem entspannten Miteinander haben.  

Als Exarch des Ökumenischen Patriarchen darf ich Ihnen abschließend die Segenswünsche Seiner Allheiligkeit übermitteln. Vielen Dank.