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07.04.2018 06:56 Alter: 107 days

Osterbotschaft

des Metropoliten Augoustinos von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa


Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

In wenigen Augenblicken werden wir den Osterhymnus „Christus ist auferstanden“ singen und etwas später im Morgengottesdienst der Auferstehung alle gemeinsam eines unserer schönsten Gebete dreimal sprechen, das mit den Worten beginnt: «Wir haben die Auferstehung Christi gesehen ...». Und noch 40 Tage lang nach dem Ostersonntag und an jedem Sonntag des Kirchenjahres werden wir nicht nur bekennen, dass wir an unseren auferstandenen Herrn Jesus Christus glauben, sondern auch verkünden, dass wir Augenzeugen seiner Auferstehung waren! Wie kann dies aber der menschliche Verstand begreifen, der uns sagt, dass dies ein für alle Mal vor etwa zweitausend Jahren geschehen ist?

Und doch! Die Auferstehung Christi ist eine Tatsache, die nicht einfach ein Sinnbild ist, sondern von unseren Sinnen erfahren wird! Wir sehen den auferstandenen Herrn in unserer Mitte, in jedem Gottesdienst der Kirche, im Wunder der Schöpfung und letztlich im Angesicht des Anderen: des Nächsten, dessen, der Not leidet, ja sogar unseres Feindes. Und all dies «...weil die hell strahlende Gegenwart des Geistes uns die Auferstehung Christi zeigt bzw. uns den Auferstandenen selbst schauen lässt. Deshalb sagen wir ‘Gott ist der Herr und ist uns erschienen’ (Psalm 117,27)»[1]. Diese Tatsache der Auferstehung wird von unseren Sinnen und nicht von unserem Denken verstanden.

In den Gottesdiensten unserer Kirche erleben wir den Vorgeschmack des Reiches Gottes. Jedes Mal wenn wir singen und beten, jedes Mal, wenn wir den Leib und das Blut Christi empfangen, erfahren auch wir die österliche Botschaft, die Kreuz und Auferstehung umschließt.  Ja, wir erleben sie nicht als eine Erinnerung an etwas oder als Brauch, sondern als etwas, was in diesem Moment real ist: «Gestern wurde ich mit dir begraben, Christus, heute erfahre ich mit dir die Auferstehung» schreibt der Hymnendichter in einem Osterhymnus.[2]

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Unser Herr lädt uns heute ein, mit ihm von der Verzweiflung des Grabes zur Erwartung der Auferstehung hinüberzugehen, von der geistlichen Unausgegorenheit und Todesangst, zur spirituellen Reife und zur Freiheit des Lebens in Christus. So schreiten wir heute zum großen Pas’chafest, zum Fest der Feste! Wir sehen die Auferstehung unseres Herrn, wie sie zu unserer gemeinsamen Auferstehung wird. Wir stehen voller Freude vor den offenen Toren des Himmels, weil unser Herr und Vater uns alle erwartet, in der Schönheit seines Reiches, jetzt und für immer! Christus ist auferstanden, meine Geschwister!

 

Bonn, Ostern 2018

 

Εuer Metropolit

 

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland



[1] Hl. Symeon der Neue Theologe, Über die Auferstehung Christi, 13. Homilie.

[2] Troparion der 3. Ode des Auferstehungskanons.