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11.06.2019 20:18 Alter: 70 days

Begrüßung beim Jahresempfang 2019 der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland

von Metropolit Augoustinos von Deutschland


(Bonn, 11. Juni 2019)

 

Exzellenzen,

hochwürdige Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,

liebe Brüder und Schwestern aus den Kirchen unseres Landes,

sehr geehrte Vertreter des diplomatischen und des konsularischen Corps,

Magnifizenz,

verehrte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur,

sehr geehrte Damen und Herren!

 

Aus der ΒΑΣΙΛΙΔΑ ΤΩΝ ΠΟΛΕΩΝ, der Königin der Städte, wie wir etwas nostalgisch Konstantinopel, das heutige Istanbul nennen, vor kurzem zurückgekehrt, darf ich Ihnen allen zunächst die Grüße und Segenswünsche Seiner Allheiligkeit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dessen Namenstag uns ja heute zum Jahresempfang zusammengeführt hat, übermitteln. Vielen Dank, dass Sie auch in diesem Jahr unserer Einladung Folge geleistet haben.

 

Der Jahresempfang unserer Metropolie ist inzwischen ja eine gute Tradition mit seinem feststehenden Ablauf: zunächst die Doxologie, die wir gerade eben gefeiert haben, es folgt dann immer der Festvortrag und schließlich das Beisammensein im Saal gegenüber - und wenn das Wetter es erlaubt, im Hof der Metropolie - mit vielen guten Begegnungen und Gesprächen.

 

Anders in diesem Jahr ist, dass nicht ein Kardinal oder Landesbischof, nicht ein Vertreter der Ökumene also, zu uns sprechen wird. Nein, es ist uns gelungen, im 201. Jahr ihres Bestehens, den Rektor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, als Festredner zu gewinnen, den ich an dieser Stelle ganz herzlich begrüße. Willkommen, Magnifizenz!

 

Professor Hoch ist kein Theologe; er beschäftigt sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, die er neben seinen Leitungsaufgaben an der Bonner Universität betreibt, vielmehr mit Molekularer Entwicklungsbiologie, was für die meisten von uns etwas sehr Unbekanntes sein dürfte. Doch darüber wird er nicht zu uns sprechen. Sein Thema lautet vielmehr: „Im Spannungsfeld von Schöpfung, Skepsis und Fortschritt: Wissenschaft in Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft.“

 

Dieses Thema, das ein Naturwissenschaftler heute in dieser orthodoxen Kirche zu uns entfaltet, erinnert mich an das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche, das vor genau drei Jahren auf Kreta stattfand. Denn in der Botschaft des Konzils wurde damals gesagt, ich zitiere: „Was die Frage der Beziehungen zwischen dem christlichen Glauben und den Naturwissenschaften betrifft, vermeidet es die orthodoxe Kirche, die wissenschaftliche Forschung zu bevormunden und bezieht nicht zu jeder wissenschaftlichen Frage Position. Sie dankt Gott, der den Wissenschaftlern die Gabe verleiht, unbekannte Dimensionen der göttlichen Schöpfung sichtbar zu machen. Die moderne Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik führt zu radikalen Veränderungen in unserem Leben. Dies bringt erhebliche Vorteile mit sich, wie die Erleichterung des täglichen Lebens, die Behandlung von schweren Krankheiten, die erleichterte Kommunikation der Menschen untereinander, die Erforschung des Weltraums u. a. m. … In Respekt vor der Freiheit der wissenschaftlichen Forschung weist die orthodoxe Kirche gleichzeitig auf die Gefahren hin, die sich in manchen wissenschaftlichen Errungenschaften verbergen, und betont die Würde des Menschen und seine göttliche Bestimmung.“[1]

 

Soweit die Worte des Konzils. In diesem Sinne sind wir sehr gespannt, was Sie, verehrter Herr Rektor, uns sagen werden, und ich bitte Sie um Ihr Wort!



[1]Botschaft des Heiligen und Großen Konzils, zit. n. Synodos. Die offiziellen Dokumente des Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxen Kirche (Kreta, 18.-26. Juni 2016), Bonn 2018, S. 46f.