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21.12.2015 23:48 Alter: 4 yrs

Weihnachtsbotschaft 2015

des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos


Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

 

Voller Freude verkündet die Kirche: Heute ist Weihnachten! Christus wird geboren. Gott ist unter uns. Der, der uns den Atem gegeben hat, hat uns so sehr geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn gesandt hat, und lädt uns ein, an ihn zu glauben, damit wir nicht zugrunde gehen, sondern erlöst werden. Natürlich ist er nicht gekommen, um uns seine Gegenwart aufzuzwingen. Die wirkliche Liebe übt niemals Zwang. Auch die Fleisch gewordene Liebe, Christus selbst, zwingt uns nicht, sondern befreit uns. Es liegt an uns, ob wir ihrem Ruf folgen. An Ihn glauben heißt: auf Ihn hören, sich Ihm anvertrauen und Ihm folgen.

 

Allerdings könnte man sagen: Das geschieht bereits. Wir sind getaufte Christen. Wir leben in Seiner Kirche. Wir machen unser Kreuzzeichen. Wir zünden unsere Kerzen an. Wir hören das Wort des Evangeliums. Wir empfangen die heilige Kommunion und nehmen an den großen Festen der Kirche teil. Doch frage ich mich: Ist es wirklich so? Empfinden wir heute wirklich Freude darüber, dass unser Erlöser zur Welt gekommen ist? Feiern wir wirklich voller Dankbarkeit dafür, dass Gottes Liebe die Welt erfüllt? Was bedeutet für uns die Art und Weise, in der wir heute diesen großen Tag - aber auch die Tage danach - begehen werden? Feiern wir also heute Christi Geburt oder freuen wir uns einfach über einen Ruhetag?

 

In der Tat: Für die meisten Menschen bedeutet ein Fest: einen arbeitsfreien Tag zu verbringen. Ruhetag bedeutet Unterbrechung, Ausspannen von der Arbeit. So wichtig das auch sein mag, es ist nicht genug, um aus ihm einen Feiertag, einen Festtag zu machen. Das entsprechende griechische Wort bezeichnet nicht nur die Muße im allgemeinen, sondern im besonderen Sinn die Muße als Freiheit für einen die Alltäglichkeit unterbrechenden Zweck. In diesem Sinn wird der Ruhetag nicht nur eine Gelegenheit, sich von alltäglichen Mühen zu erholen, sondern sich einmal den wirklich wichtigen Dingen zu widmen, denjenigen, die es wert sind, dass sie einen vorrangigen Platz in unserem Leben erhalten.

 

In diesem Fall wird der Ruhetag zu einer Gelegenheit, die Größe der Liebe Gottes und der ihr innewohnenden Dynamik zu bedenken. Weihnachten bedeutet das Eintreten der Liebe Gottes in die Welt. Die Liebe, die Christus selber ist, vereint Himmel und Erde und die Menschen untereinander. Liebe ohne den Nächsten gibt es nicht. Liebe, die ausschließlich um unser eigenes Ich kreist, bedeutet den Alptraum eines absoluten Egoismus und einen Vorgeschmack der Hölle auf Erden. Ein Blick auf die Nachrichten genügt, um sich davon zu überzeugen. Es braucht keine besondere Erwägung oder Fähigkeit, um zu verstehen, dass die Hölle die Abwesenheit von Liebe ist. 

 

Doch wir sind nicht für die Hölle erschaffen worden. Im Gegenteil! Wir sind berufen, den Vorgeschmack des Reiches Gottes hier und jetzt zu kosten. Also darf unser Fest sich nicht auf unsere Person oder unsere individuellen Bedürfnisse und Wünsche konzentrieren. Wir haben die Möglichkeit und die Gelegenheit, unsere Grenzen zu überwinden, uns für den Mitmenschen zu öffnen, etwas, was uns gehört, mit ihm zu teilen, insbesondere mit dem, der wenig oder viel entbehren muss. Die Aufforderung „Liebet einander!“ ist keine bloße Redewendung, sondern eine beständige Mahnung zu Selbstüberschreitung und tatkräftiger Solidarität. Ein gutes Wort, eine Hilfe für jemanden, der in Not ist, eine Träne des Mitleids, ein Lächeln. All das verursacht, als Zeichen der von Christus unter uns gestifteten Geschwisterlichkeit, wahrhafte Freude. Eine solche Freude provoziert eine möglicherweise unendliche Kette von anderen Momenten der Freude. Denn wenn wir Gutes tun, wie Christus es von uns fordert, kennen wir doch niemals das Ausmaß der Güte, die jenem Guten innewohnt, das wir getan haben.

 

Lasst uns also den heutigen Ruhetag des Weihnachtsfestes dazu nutzen, uns zu besinnen, um geistlich verständiger und reifer zu werden. Wäre es nicht schade, wenn das Fest verginge und wir zur Monotonie unseres Alltags zurückkehrten, ohne dass sich irgendetwas in der Tiefe unseres Daseins geändert hätte? Dieses Weihnachtsfest kann der Anfang eines tieferen Wandels werden, einer größeren Freiheit unseres Lebens in Christus. Ohne Ihn können wir nichts tun, was die Grenze und die Einschränkung, die der Tod mit sich bringt, hinter sich lässt. Mit Ihm aber werden jene Gedanken und jene kreativen Kräfte, die an die Ewigkeit rühren, frei. Kommt, lasst den Atem Gottes in uns aufleben! So werden nicht nur der heutige Tag, sondern auch alle anderen Tage unseres Lebens zu einem wahren Fest der Geburt des Herrn. Das ist es, was ich allen unter uns von Herzen wünsche!            

 

In väterlicher Liebe

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland