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20.03.2016 03:09 Alter: 4 yrs

Patriarchal- und Synodal-Enzyklika zur Einberufung des Heiligen und Großen Konzils der orthodoxen Kirche

+ Bartholomaios Durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem neuen Rom, allem Volk der Kirche Gnade und Friede von Gott


Unsere heilige orthodoxe Kirche, die mit dem Blut der Märtyrer, mit den Tränen der heiligen Mönche und mit den Kämpfen und Opfern der Bekenner ihres Glaubens „wie mit Purpur und Linnen bekleidet“ ist, feiert heute ihren Namenstag. Mit vollem Recht wurde dieser Tag „Sonntag der Orthodoxie“ genannt, an dem nach einem Jahrhundert schwerer Auseinandersetzungen durch die Verehrung der ehrwürdigen Ikonen des Fleisch gewordenen Sohnes und Wortes Gottes und seiner Heiligen als Bilder, welche die personale Präsenz und göttliche Gnade in sich tragen, die Wahrheit erstrahlte und die Lüge überwand, als „Sonntag der Orthodoxie“ bezeichnet. Auf diese Weise wurde noch einmal anerkannt und verkündet, dass „das Wort Fleisch geworden ist und unter uns Wohnung genommen hat“ (Jo 1,14) und dass es so die materielle Schöpfung und unseren Leib geehrt hat, um uns zu „Teilhabern der göttlichen Natur“ (vgl. 2 Petr 1,4), der göttlichen Gnade und des göttlichen Lebens zu machen.

 

Der Weg zu dieser rettenden Wahrheit, welche diejenigen bekämpften, welche die Verehrung der heiligen Ikonen ablehnten, der Weg der Überwindung der Lüge durch die Wahrheit, war auch in diesem Fall kein anderer als jener, den die Kirche von Anfang an in ihrer Geschichte gewählt hat, der Weg der Konziliarität. Die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge, Rechtgläubigkeit und Irrlehre ist nicht immer leicht. Die Irrlehrer glaubten und glauben, im Besitz der Wahrheit zu sein. Und es wird immer solche geben, die diejenigen als „Häretiker“ bezeichnen, welche nicht mit ihren Ansichten übereinstimmen. Die orthodoxe Kirche anerkennt in diesem Fall nur eine einzige Autorität: das Konzil ihrer kanonischen Bischöfe. Ohne konziliare Entscheidung ist eine Trennung zwischen Rechtgläubigkeit und Irrlehre nicht möglich. Alle Glaubenslehren der Kirche und ihre heiligen Kanones tragen das Siegel der Konziliarität. Die Orthodoxie ist die Kirche der Konziliarität.

 

Dieses ekklesiologische Prinzip hat die orthodoxe Kirche von Anfang an betont, und sie realisiert es konsequent auf lokaler Ebene. Dies galt Jahrhunderte lang auch für die weltweite oder panorthodoxe Ebene. wurde aber wegen historischen Umstände über einen langen Zeitraum hinweg unterbrochen. Heute befinden wir uns in der angenehmen Lage, von diesem heiligen ökumenischen Bischofssitz aus offiziell verkünden zu können, dass – gemäß der Übereinkunft aller Vorsteher der Heiligen Orthodoxen Kirchen – das vor mehr als fünfzig Jahren beschlossene Heilige und Große Konzil der gesamten Orthodoxen Kirche auf der Insel Kreta vom 18. bis zum 27. Juni dieses Jahres abgehalten werden soll. Es wird seine Arbeiten mit der panorthodoxen göttlichen Liturgie in der Kirche des hl. Minas in Iraklion am großen Pfingstfest beginnen und in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari bei Chania fortsetzen. Dieses Heilige und Große Konzil wird unsere geringe Person gemeinsam mit den übrigen Vorstehern der Orthodoxen Kirchen leiten. Als Mitglieder des Konzils werden aus Bischöfen bestehende Gesandtschaften aller dieser Kirchen teilnehmen.

 

Der vorrangige Zweck und Sinn dieses panorthodoxen Konzils ist es, darzustellen, dass die orthodoxe Kirche die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche ist, geeint in den Sakramenten, besonders in der Göttlichen Eucharistie, im orthodoxen Glauben, aber auch in der Konziliarität. Deshalb wurde es über einen langen Zeitraum hinweg durch eine Reihe von Kommissionen und Präkonziliaren Konferenzen vorbereitet, so dass die Textvorlagen für seine Entscheidungen den Geist der Übereinstimmung atmen und sein Wort „mit einem Mund und einem Herzen“ gesprochen wird.

 

Die Themen, mit denen sich das Heilige und Große Konzil befassen wird, sind bereits zu jener Zeit panorthodox ausgewählt worden, in der man sich dazu entschloss, dieses Konzil einzuberufen, und berühren hauptsächlich Fragen der internen Struktur und des inneren Lebens der orthodoxen Kirche, die eine unmittelbare Lösung erfordern. Andere Themen betreffen Fragen zum Verhältnis der Orthodoxie zur übrigen christlichen Welt und zur Aufgabe der Kirche in unserer Zeit. Wir wissen, dass die Welt die Stimme der orthodoxen Kirche zu vielen brennenden Themen, die den modernen Menschen beschäftigen, erwartet. Aber es wurde als notwendig erachtet, dass die orthodoxe Kirche zuerst ihr eigenes Haus bestellt, noch bevor sie zur Welt spricht - ohne dass sie aufhört, dies als ihre Pflicht zu betrachten. Dass die Orthodoxie nach dem Ablauf so vieler Jahrhunderte ihre Konziliarität auf weltweiter Ebene zum Ausdruck bringt, ist der erste entscheidende Schritt, von dem erwartet wird, dass ihm durch Gottes Gnade binnen kurzem in Gestalt der Einberufung weiterer panorthodoxer Synoden weitere Schritte folgen werden.

 

Liebe Brüder und Kinder im Herrn,

 

die großen historischen Ereignisse werden von der Gnade Gottes, der letztendlich der Herr der Geschichte ist, geleitet. Wir säen und bestellen das Feld, aber Gott ist es, der das Wachstum schenkt (vgl. 1 Kor 3,8). Das Heilige und Große Konzil der orthodoxen Kirche ist in der Tat ein historisches Ereignis, dessen Ausgang wir allein in Gottes Hände legen. Wir rufen darum alle orthodoxen Gläubigen in der ganzen Welt, den Klerus und die Laien, dazu auf, den Dreieinigen Gott zu bitten, dieses Ereignis durch seinen Segen zu krönen, damit durch das Konzil seine Kirche auferbaut und sein allheiliger Name verherrlicht werde. Die Zeiten sind kritisch, und die Einheit der Kirche sollte das Vorbild für die Einheit der von ihren Spaltungen und Konflikten zerrissenen Menschheit sein. Der Erfolg des Heiligen und Großen Konzils ist eine Angelegenheit aller Glieder der Kirche. Darum sind sie gehalten, ihm ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Schon wurden die panorthodox abgestimmten und dem Heiligen und Großen Konzil vorgelegten Texte veröffentlicht und so jedem Gläubigen guten Willens zur Kenntnisnahme und Information, aber auch als Grundlage dafür, seine Meinung und seine Erwartungen an das Heilige und Große Konzil zu formulieren,  zur Verfügung gestellt.

 

Dies verkünden wir allem Volk der orthodoxen Kirche in der ganzen Welt an diesem bedeutenden Tag und beten darum, der Herr, unser Gott, möge seiner Kirche und Euch allen seine reiche Gnade und seinen Segen schenken und der ganzen Welt „Frieden allenthalben und auf allerlei Weise“ (2 Thess 3,16).

 

Im Jahr des Heils 2016, am 20. März                        

 

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, inständiger Fürbitter bei Gott

 

+ Metropolit Ioannis von Pergamon, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Isaias von Denver, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Alexios von Atlanta, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Iakovos von den Prinzeninseln, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Iosif von Prοikonesos, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Meliton von Philadelphia, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Emmanuel von Frankreich, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Nikitas von den Dardanellen, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Nikolaos von Detroit, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Gerasimos von San Francisco, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Maximos von Silivria, In Christus im Gebet verbunden

+ Metropolit Amphilochios von Adrianopel, In Christus im Gebet verbunden