Deutsch
Ελληνικά
24.01.2011 00:00 Alter: 9 yrs

50 Jahre Anwerbevertrag zwischen Deutschland und Griechenland


GRUSSWORT 

des Metropoliten Augoustinos
von Deutschland 
und Exarchen von Zentraleuropa

beim Festakt 
„50 Jahre Anwerbevertrag zwischen Deutschland und Griechenland 
- 50 Jahre griechisches Leben in Bayern“

(München, 24. Januar 2011)

Am 30. März 2010 jährte sich das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Griechenland zum 50. Mal, und dies ist der Grund, warum wir uns heute zu einem Festakt versammeln, der Abschluss und Krönung der Veranstaltungen im letzten Jahr sein soll, mit denen wir dieses Jubiläum begangen haben.

Ich glaube, ich darf sagen, dass die 50-jährige Geschichte der griechischen Einwanderung nach Deutschland eine Erfolgsgeschichte war, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen gründet und die inzwischen viele Früchte in vielen Bereichen des kulturellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und religiösen Lebens getragen hat.

Als damals die ersten Griechen nach Deutschland kamen – viele von ihnen blieben hier in München, sodass die bayerische Metropole heute mit über 23.000 Griechen die größte griechische Auslandsgemeinde europaweit ist – hatten sie natürlich mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Kaum jemand dieser ersten Migranten war der deutschen Sprache mächtig, und es war ja auch gar nicht geplant, dass aus dem vorübergehenden Arbeitsaufenthalt im Zeichen des Wirtschaftswunders eine langfristige Angelegenheit werden sollte, die für zukünftige Generationen eine neue und zweite Heimat schaffen sollte.

Als 1963 das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland gründete, gab es daher einige meiner griechischen Landsleute, die der Meinung waren, dass die Anwerbung der Griechen eine vorübergehende Episode ist, die schon bald beendet sei und derartige Strukturen nicht erfordere. Die Zeit hat aber erwiesen, dass es anders gekommen ist, und die Metropolie mit ihren Kirchengemeinden in ganz Deutschland hat ihren Mitgliedern nicht nur eine geistliche Heimat geboten, sondern diese Kirchengemeinden sind auch zu kirchlichen, kulturellen und sozialen Zentren, Orten des Dialoges und der gegenseitigen Bereicherung geworden, die Brücken zwischen dem griechischen und dem deutschen Volk, zwischen unseren Kulturen, zwischen unseren Kirchen bilden.

Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland hat sich von jeher den Gedanken der Ökumene zueigen gemacht und den Austausch mit den Schwesterkirchen aktiv gesucht. Die Einrichtungen der Metropolie, wie etwa hier in München die Allerheiligengemeinde mit ihrem Gemeindezentrum und selbstverständlich auch die Salvatorkirche mit ihrer Kirchengemeinde, sind so auch zu Zentren des Brückenschlags und der Integration geworden, in denen immer besonders intensiv an der Eingliederung der griechischen Bürger in ihre neue Heimat gearbeitet wurde.

Die Griechen haben schon recht früh begonnen, sich am öffentlichen Leben ihrer neuen Heimat zu beteiligen. Teils haben sie sich in vielfältigen Vereinen und Verbänden selbst organisiert, teils haben sie sich an Aktivitäten der deutschen Mehrheitsgesellschaft rege beteiligt und integrationsfördernde Angebote dankbar angenommen. Heute gibt es nicht nur hier in München zahlreiche Griechen, die ein hohes Bildungsniveau erreicht haben und als Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Juristen, Ärzte, Politiker etc. die hiesige Gesellschaft maßgeblich mitgestalten.

Inzwischen gibt es sogar einige spezifisch griechische Kulturveranstaltungen und Festlichkeiten, die im kulturellen Leben der Stadt München verwurzelt sind. So feiern wir alljährlich im Januar den orthodoxen Gottesdienst der Wasserweihe an der Isar und begehen zu Ostern eine Karfreitagsprozession von der Salvatorkirche zum Marienplatz. Im kommenden Sommer findet schon zum siebten Mal der Griechisch-Bayerische Kulturtag statt, der mit einem reichen Festprogramm aufwartet.

Dass all dies den Griechen, die nunmehr Mitbürger sind, möglich war, haben wir natürlich auch den Institutionen dieses Landes zu verdanken, die durch zahlreiche Angebote die Möglichkeit zum harmonischen Miteinander gegeben haben. So danken wir dem Freistaat Bayern ebenso für seine vielfältige Unterstützung wie der Landeshauptstadt München und unseren Schwesterkirchen, dem römisch-katholischen Erzbistum von München und Freising und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, die unsere Belange allzeit wohlwollend befördert haben.

Von den Vertretern der deutschen Gesellschaft wird immer wieder betont, dass die Integrationsgeschichte der Griechen von besonderem Erfolg gekrönt ist und die Griechen in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle gespielt haben. Aber selbst dann ist das Thema Integration für uns heute nicht abgeschlossen, sondern wird auch die kommenden Generationen noch weiter beschäftigen.

Ich selbst bin ganz gewiss ein „Migrant der ersten Stunde“. Beim offiziellen Besuch des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens am 7. Dezember 1981 in der Metropolie in Bonn habe ich das Stichwort „Integration“ gegeben. Heute stehe ich hier mit ganz besonderem Stolz und großer Dankbarkeit für das, was meine Landsleute in diesen fünf Jahrzehnten erreicht haben. Möge Gott auch in Zukunft den Weg der kommenden Generationen segnen!

Abschließend möchte ich noch einmal der bayerische Staatsregierung, der Landeshauptstadt München und allen, die dieses Fest organisiert haben, sehr herzlich danken.