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15.11.2011 16:43 Age: 8 yrs

Grußwort beim Empfang durch den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland Herrn Christian Wulff

Metropolit Augoustinos von Deutschland Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (Berlin, Schloss Bellevue, 11. November 2011)


Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

gestatten Sie mir, im Namen der hier anwesenden Mitglieder der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), Ihnen für die Ehre dieses Empfangs zu danken.

Der heutige Tag mit seinem leicht zu merkenden Datum gibt mir die Freude eines Wiedersehens mit Ihnen, diesmal gemeinsam mit den orthodoxen Bischöfen Deutschlands, welche die besagte Bischofskonferenz bilden.

Die jahrelange Zusammenarbeit in der bis dahin bestehenden „Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland“ (KOKiD) wurde im vergangen Jahr durch die Gründung der Bischofskonferenz fortgeführt und de facto und de jure aufgewertet. Alle orthodoxen Diözesen unseres Landes arbeiten hier zusammen. Natürlich existieren sie weiter und verwalten ihre eigenen Angelegenheiten; andererseits werden die gemeinsamen Interessen nun auch gemeinsam vertreten. Dies gilt zum Beispiel gegenüber den anderen Kirchen des Landes, gegenüber den staatlichen Stellen auf den unterschiedlichen Ebenen, aber auch gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit.

Wenn ich, der ich seit einem halben Jahrhundert in diesem Land lebe, über das Werden unserer Kirche nachdenke, kommt mir häufig ein theologischer Terminus in den Sinn, den die Theologen aller Kirchen in anderem Zusammenhang gern verwenden. „Ex nihilo“ sagen sie und meinen damit die Erschaffung der Welt aus dem Nichts. Wenn ich, lieber Herr Bundespräsident, von der Entstehung unserer Kirche in Deutschland spreche, bedeutet „ex nihilo“, dass vor einigen Jahrzehnten, abgesehen von wenigen Kirchenbauten und versprengten Gemeinden, die Orthodoxie eine sehr geringe Präsenz aufzuweisen hatte. Heute ist sie mit über einer Million Christen, mit eigenen Diözesen und Kirchen, mit eigenen Strukturen und Gremien, zu einem bleibenden Faktor und verlässlichen Partner für Kirche und Gesellschaft hierzulande geworden.

Für mich selbst bedeutet „ex nihilo“ aber noch mehr: gerade in unserer Zeit, die – wie es scheint – besonders schnelllebig ist, ist es Aufgabe der Kirche, ja auch unserer Kirche, die Menschen aus einem Nichts der Wertelosigkeit und Wertevergessenheit herauszuführen. Ich bin deshalb der festen Auffassung, dass die orthodoxe Kirche unseres Landes, in ihrer ganzen Vielstimmigkeit, zu einem wichtigen Faktor der Integration unserer Menschen und der Integrität der Gesellschaft insgesamt geworden ist. Ich behaupte deshalb in Abwandlung eines bekannten Spruchs: „Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden!“

Und gestatten Sie mir abschließend an diesem Tag noch ein besonderes Wort des Dankes an dieses Land und diesen Staat, die Sie, Herr Bundespräsident, repräsentieren: Aus vielen Teilen der Welt hören wir, wie ich meine: in letzter Zeit verstärkt, von Christenverfolgung, von Unterdrückung und Benachteiligung. Wir sind dankbar, dass wir in Deutschland und seiner Gesellschaft unseren Glauben frei leben können, ja, wo es immer geht, auch Unterstützung seitens der staatlichen Institutionen erfahren. Und deshalb sind wir, wie gesagt, umso mehr bereit, auch unsererseits diesem Land zu dienen.

Für Ihren Dienst und für Sie ganz persönlich erbitten wir Gottes reichen Segen.

Vielen Dank!