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25.09.2011 18:15 Age: 8 yrs

Begrüßung anlässlich der Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

Metropolit Augoustinos von Deutschland Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) (Freiburg – 24. September 2011)


Ελογημένος ρχόμενος ν νόματι Κυρίου! „Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn.“ (Mt 21,9) Mit diesem Vers aus dem Matthäus-Evangelium begrüße ich Sie, Eure Heiligkeit, im Namen der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und danke Ihnen, dass Sie die heutige Begegnung trotz Ihres vollen Besuchsprogramms ermöglicht haben. Dieser Dank geht natürlich auch an Sie, lieber, verehrter Herr Erzbischof Zollitsch, der Sie uns eingeladen und soeben so freundlich begrüßt haben. Meinen Gruß und den damit verbundenen Dank darf ich sicherlich auch im Namen der hier anwesenden Bischöfe der orientalisch-orthodoxen Kirchen Deutschlands aussprechen, die heute ebenfalls zugegen sind.

Es ist schön, dass unsere Begegnung hier in Freiburg, nur wenige Schritte entfernt vom „Münster unserer Lieben Frau“ stattfindet. Für uns orthodoxe Christen ist die Muttergottes immer dabei, immer anwesend auf unserem Weg durch die Zeit. Und dies gilt in besonderer Weise für uns Bischöfe. Bei unserer Weihe erhalten wir als bischöfliche Insignie das Enkolpion (auch Panagia genannt), diese Ikone der Muttergottes. Der Name Panagia (die Allheilige) ist das Attribut der Mutter unseres Herrn, die wir stets in unserem Innersten tragen dürfen. Dafür steht die Bezeichnung „Enkolpion“. Alle orthodoxen Bischöfe tragen diese Panagia also als bewusstes Zeichen unserer Verehrung für die Gottesmutter und als Treue zur Kirche.

Sie selbst haben es einmal so formuliert: „Die Alte Kirche hat - biblischem Denken gemäß – keine Schwierigkeit gefunden, in d<ies>er Frau einerseits Maria zu erkennen und andererseits zeitenübergreifend in ihr die Kirche, Braut und Mutter, zu sehen, in der sich das Geheimnis Marias in die Geschichte hinein auszeitigt.“[1] So gesehen sind wir immer noch Alte Kirche und setzen auch im 21. Jahrhundert die besondere Verehrung für „unsere Liebe Frau“ fort; es hat also nichts mit Frauenfeindlichkeit zu tun, wenn unsere heutige Begegnung – im Gegensatz zu Ihren ökumenischen Terminen der vergangenen Tage – eine Begegnung nur unter Männern ist…

Eure Heiligkeit!

Es wird Sie freuen zu hören, dass sich seit Ihrem letzten Besuch in Deutschland einiges getan hat – auch in der Orthodoxen Kirche. Im vergangen Jahr fand zum Beispiel die Gründung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland statt. Dies geschah aufgrund eines Beschlusses der IV. Panorthodoxen Präkonziliaren Konferenz in Chambésy vom Juni 2009. Es waren also die so genannten Mutterkirchen, die gemeinsam dafür Sorge trugen, dass die jahrelange Zusammenarbeit in der bis dahin bestehenden „Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland“ (KOKiD) fortgeführt und de facto und de jure aufgewertet wurde. Alle orthodoxen Diözesen unseres Landes arbeiten nun in der Bischofskonferenz zusammen. Sie erfüllen damit den diesbezüglichen Beschluss von Chambésy, in dem es für unsere und die anderen gleichzeitig gegründeten Bischofskonferenzen wörtlich heißt: „Aufgabe und Verantwortung (…) wird die Sorge um die Sichtbarmachung der Einheit der Orthodoxie und die Entfaltung gemeinsamen Handelns aller Orthodoxen in jeder Region sein, zur Erfüllung der pastoralen Bedürfnisse der dort lebenden orthodoxen Christen, zur gemeinsamen Repräsentation aller Orthodoxen gegenüber den Nicht-Orthodoxen und der ganzen Gesellschaft dieser Region, zur Förderung der theologischen Ausbildung und der kirchlichen Erziehung etc.“ Natürlich existieren die bisherigen Diözesen trotzdem weiter und verwalten ihre eigenen Angelegenheiten; andererseits werden die gemeinsamen Interessen nun auch gemeinsam vertreten, etwa wenn es um die innerchristliche Zusammenarbeit, die Präsenz in den Medien, um Religionsunterricht oder um die Vertretung am Sitz der Bundesregierung und des Bundestages geht. Die Orthodoxe Bischofskonferenz steckt noch in den Kinderschuhen, sie ist aber lebensfähig und wird – davon bin ich überzeugt – mit Gottes Hilfe wachsen und gedeihen. 19 Bischöfe sind Mitglieder dieser Bischofskonferenz – von diesen sind heute die Diözesanbischöfe gekommen, um Sie zu begrüßen.

Gestatten Sie mir, Heiliger Vater, meinen Gruß mit einer kalendarischen Anmerkung zu beschließen: der heutige 24. September ist in der griechischen Kirche dem Gedächtnis eines Wunders der Gottesmutter gewidmet, dass auf der Insel Kythira stattgefunden hat. Daneben gedenken wir noch zweier weiterer Heiliger. Da ist zum einen eine Gestalt aus der Urkirche: die heilige Thekla, der Tradition nach eine Paulus-Schülerin, die erste Frau, die das Martyrium für Christus erlitten hat. (Gestern wurde ihrer in der römisch-katholischen Kirche gedacht.) Und da ist zum anderen jemand aus der jüngsten Zeit: der heilige Siluan, ein russischer Athosmönch des 20. Jahrhunderts. So umfassen die Heiligen eines einzigen Tages die gesamte Zeitspanne der Kirchengeschichte. In diesem Verständnis von Kirche und Tradition leben wir und leben Sie: diachronisch, d.h. in der Zeit und doch die Zeit überschreitend. Und so werden wir – gerade auch in Deutschland – fortfahren: gemeinsam und immer mehr aufeinander zu. Diese Erfahrung der letzten Jahrzehnte fortzusetzen wird für mich das wichtigste Ergebnis Ihrer Reise durch unser Land und dieses Abends sein.

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen, lieber Heiliger Vater, eine gesegnete Zeit auch hier auf der letzten Etappe Ihrer Deutschlandreise. Der Herr segne auf die Fürbitten seiner allheiligen Mutter Ihre Reise, der Herr segne Ihren Dienst! Vielen Dank!



[1]. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.), Jesus von Nazareth, Band II, Freiburg 2011, S. 245f.