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21.12.2012 22:06 Alter: 7 yrs

Weihnachtsbotschaft 2012

des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos


„Wie soll ich das große Mysterium preisen? …

Leichter ist es, zu schweigen.“

(Aus den Weihnachtshymnen)

 

 

 

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ So beginnt das berühmteste deutsche Weihnachtslied, das inzwischen in die meisten Sprachen der Welt übersetzt worden ist und nahezu überall auf der Welt gesungen wird. Doch es ist kein Zufall, dass auch die Hymnen und Texte unserer Kirchenväter uns seit Jahrhunderten dazu anhalten, uns dem Mysterium der Geburt Christi, die wir heute feiern, schweigend zu nähern.

Gott wird Mensch - und die Frage, die sich uns in diesem Zusammenhang stellt, ist einfach: Kann es eine andere Weise der Annäherung an dieses Ereignis geben als Ehrfurcht und Schweigen? Die Geburt Jesu Christi bleibt als Ausdruck der Liebe Gottes zum Menschen das Mysterium an sich. Diese Geburt geschieht ohne irgendeine laute Aufdringlichkeit, im Rahmen einer Volkszählung und an einem völlig unscheinbaren Ort. Sie geschah und geschieht unbemerkt von der großen Menge, die das auffällige Schauspiel dem staunenerregenden Wunder vorzieht. Der Lobpreis der Engel verliert sich im Lärm einer hastigen Geschäftigkeit. Wir befinden uns ständig in einer hektischen Betriebsamkeit, um tausenderlei zu erledigen und zu planen, in einem Umfeld, das sich vor allem für das Wachstum des Konsums interessiert, der nicht selten zu einer Entleerung unserer Seele führt. So bleibt uns nicht ein einziger Moment der Ruhe, um zu vernehmen, dass „Christus heute geboren wird“, also etwas zu vernehmen, das erschütternder ist als alles, was jemals gehört wurde. Denn es ist das einzige, das unserem Dasein Bedeutung geben, ihm seine Härte nehmen und ihm nie gekannte Horizonte der Schönheit eröffnen kann.

Doch was bedeutet das praktisch? Es ist gewiss, dass die Liebe sich einem wissenschaftlichen Nachweis oder einer wissenschaftlichen Analyse verweigert, dass sie sich nicht aufdrängt und auf dem Markt nicht angeboten wird. Sie lässt sich nicht beweisen, aber sie lässt sich ertasten. Die Liebe empfangen oder erweisen wir unentgeltlich und selbstverständlich, denn nur so dürfen wir Menschen heißen und sein. Meistens verbirgt sich ihre Kraft nicht hinter vielen Worten oder ins Auge springenden Taten, sondern vielmehr hinter der Einfachheit aufrichtiger unscheinbarer Gesten, wie z. B. einem herzlichen Lächeln, einem Händedruck, der diskreten Teilnahme an der Freude oder dem Leid des anderen, dem verborgenen Gebet für ihn oder der unauffällig gewährten Hilfe, wenn er in Not ist.

Es bleibt allerdings eine Frage: Wo finden wir die Kraft, die uns befähigt, unserem Gott ähnlich zu werden und zu lieben? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Wahl, die wir selber treffen: Lassen wir es zu, dass Gott in uns Mensch wird, oder nur auf dem Papier einer Krippe unseres Weihnachtsschmucks? Wenn Gott in unserem Herzen geboren wird, weil wir zulassen, dass seine Gnade in uns wirkt, erfahren wir die Veränderung zum Guten. Wir ändern uns. Wir drehen uns nicht mehr nur um uns selbst und unsere Ansprüche. Wir fühlen dann, dass der Weg zu der berühmten „Selbstverwirklichung“ nichts als eine Täuschung ist und dass das Leben in Wahrheit keine egoistische Einbahnstrasse sein kann, sondern allenfalls eine Kreuzung, wo unsere eigenen Träume und Sehnsüchte auf jene unserer Mitmenschen treffen. Unser Glück wird schließlich nach der Qualität unserer Beziehungen zu jenen bemessen, die bei uns sind, und danach, was wir mit ihnen zu teilen bereit sind.

Ich lade euch alle dazu ein, heute dem Wunder der Geburt des Gottes der Liebe mit Staunen und wachsamer Stille zu begegnen. Lasst uns Ihm die Möglichkeit geben, uns den Frieden zu schenken, uns zu stärken und in uns den Geist zu erwecken, der uns befähigt, in der Stille wahre Werke der Liebe zu tun. Auf diese Weise werden wir wahrhaft Weihnachten feiern, nicht nur am 25. Dezember, sondern an allen Tagen unseres Lebens. Das ist mein väterlicher Wunsch für uns alle.       

 

 

 

Bonn, Weihnachten 2012

 

In väterlicher Liebe

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland