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09.11.2011 11:38 Alter: 8 yrs

Grußwort bei der EKD-Synode in Magdeburg

Metropolit Augoustinos von Deutschland Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (3.-9. November 2011)


Hohe Synode,

„wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“Vor knapp zwei Monaten erinnerte Papst Benedikt XVI. anlässlich seiner Begegnung im Erfurter Augustinerkloster an diese Frage des Reformators Martin Luther. Er erinnerte Sie, verehrte Geschwister aus der Evangelischen Kirche in Deutschland und alle anderen Kinder und Kindeskinder der Reformation in diesem Land; aber er erinnerte auch uns, die wir aus dem Osten hierhergekommen sind oder, anders gesagt, uns, die wir uns mit Ihnen auf das Reformationsjubiläum vorbereiten, ohne diese Reformation erlebt zu haben.

Auch für uns ist nämlich das Jahr 2017 und seine Vorbereitung eine außerordentliche ökumenische Herausforderung. Wir leben lange genug in diesem Land und unsere ökumenische Nähe zu Ihnen ist so groß, dass es nicht möglich ist, anlässlich dieses Jubiläums zu sagen: „das geht uns nichts an, damit haben wir nichts zu tun!“ Und andererseits ist es unbestritten, dass die Reformation ein Vorgang in den Reihen der Westkirche war, die – aufgrund der damaligen politischen Konstellation – vom Osten zum Teil gar nicht wahr genommen wurde, ja, vielleicht gar nicht verstanden wurde.

Als die Tübinger Theologen sich an den Patriarchen Jeremias II. von Konstantinopel wandten, um ihm und der orthodoxen Kirche die Reformation vorzustellen, kam es zwar zu einem berühmten Briefwechsel; dieser brach aber im Jahr 1581 ab, wobei der Patriarch jenen bekannten Satz schrieb „So gehet nun euren Weg, und schreibt uns, wenn ihr wollt, nicht mehr über die Dogmen, sondern um der Freundschaft willen!“

Gestatten Sie mir an dieser Stelle die provokative Frage: Wo stehen wir heute in unseren Beziehungen? Sind wir weitergekommen? In unseren theologischen Gesprächen? In unserer Freundschaft? Im gegenseitigen Verstehen? Vielleicht ist ja die Beantwortung dieser Fragen unsere gemeinsame Aufgabe, die wir in den Jahren bis 2017 übernehmen sollten. Hier könnte die wirklich ökumenische Ausweitung des Reformationsjubiläums liegen. Hier liegt fruchtbarer Ackerboden vor uns, den es gemeinsam zu pflügen gilt.

Mit diesem Impuls überbringe ich Ihnen auch in diesem Jahr die aufrichtigen Segenswünsche und herzlichen Grüße der orthodoxen Christinnen und Christen unseres Landes, meiner Mitbrüder von der Orthodoxen Bischofskonferenz, der Geistlichen und der Laien, und wünsche Ihnen gute und gesegnete Beratungen.