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14.04.2012 21:52 Alter: 8 yrs

Osterbotschaft

des Metropoliten Augoustinos von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa


„Jetzt ist alles mit Licht erfüllt …”

(Osterkanon) 

 

 

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

 

In wenigen Minuten werden wir alle das Osterlicht in unseren Händen halten. Wir werden unsere Kerzen entzünden und denen, die neben uns stehen, das Licht weitergeben. Es ist das Licht der Auferstehung, ein Licht, das sich von allen anderen Lichtern unterscheidet. Denn es ist das Licht des Glaubens – nicht des Glaubens an die Ausweglosigkeit des Todes, sondern des Glaubens an den Sieg des Lebens. Es ist das Licht Christi, der mit uns leidet, der um unseren Schmerz und unsere Kämpfe weiß, aber uns damit nicht allein lässt. Mit sich erweckt er auch uns zum Leben; er befreit uns aus dem Grab unserer täglichen Unzulänglichkeit und Sünde und gibt uns so die Gewissheit, dass wir nicht etwa Produkte des Zufalls, sondern einzigartige Wesen sind, Kinder jenes Gottes, der Liebe ist.

 

Uns kleinen und schwachen Menschen ist die wichtigste Sache der Welt anvertraut. Von der Gewissenhaftigkeit unserer Beteiligung hängt es nämlich ab, ob wir uns der Hässlichkeit ausliefern oder ob wir die Schönheit vervielfachen, die Gott in die Welt gelegt hat.

 

Die Kraft unseres Glaubens an die Auferstehung Christi sehen und empfinden wir gerade heute Abend. Jeder von uns trägt eine kleine Kerze in seiner Hand, aber durch die Weitergabe des Lichtes an die Menschen neben uns wird aus dem kleinen Licht der Kerze ein Lichtermeer.

 

Weil wir Christus lieben, lieben wir auch unsere Mitmenschen aufrichtig. Das bedeutet, dass wir ihnen nicht nur etwas Gutes tun, sondern auch ihre Schwächen ertragen und ihnen ihre Fehler verzeihen. “Wer sagt, er liebe Gott, und zugleich seinen Bruder übergeht oder verachtet, der ist ein Lügner”. Das sagt uns der Apostel Johannes. Und er fährt fort: “Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht.” Denn unsere Aufrichtigkeit als Menschen und als Christen wird täglich immer wieder durch unser Handeln auf die Probe gestellt.

 

Dennoch erscheint die Liebe bisweilen ohnmächtig angesichts der Gewalt des Bösen. Aber mag sie auch klein erscheinen, so klein wie ein Kerzenlicht: Sooft sie sich nicht verschließt und sich nicht um sich selber dreht, sooft sie weitergegeben wird, erstarkt sie und wird hell wie die Sonne. Wir suchen oft nach den großen Wandlungen irgendwo in der Ferne oder außerhalb unserer selbst. Und wenn wir sie nicht wenigstens andeutungsweise erkennen, resignieren wir meistens und geben alles verloren. Aber wenn wir bei uns selbst und unserer Umgebung einen Anfang machen, dann werden wir sehen, wie ganz allmählich und nahezu unmerklich unsere kleinen Wandlungen mit Gottes Hilfe eine Wirkung entfalten, die größer ist, als wir sie uns zunächst vorstellen konnten.

 

Ein charakteristisches Beispiel dafür ist die derzeitige Krise Griechenlands, der Heimat vieler orthodoxer Christen hier in Deutschland. Sicher ist, dass insbesondere die Griechen unter uns nach Kräften alles tun, um ihren Verwandten und Freunden zu helfen. Aber seitdem wir am 25. März begonnen haben, unsere Kräfte zu vereinigen, für diese Hilfsaktion der Liebe zugunsten unserer leidgeprüften Brüder und Schwestern in der Heimat, werden wir, dessen bin ich mir sicher, eine viel größere Wirkung erzielt haben. Gewiss werden die Probleme Griechenlands dadurch nicht gelöst, aber vielen Notleidenden in Griechenland soll auf diese Weise praktisch geholfen werden.

 

Je undurchdringlicher das Dunkel um uns herum zu sein scheint, desto größer ist unsere Wertschätzung selbst für die kleinste Lichtquelle. Heute ist alles vom Licht der Auferstehung überflutet. Lasst uns alle Traurigkeit und alle Kleinmütigkeit aus unseren Herzen verbannen und stattdessen der Freude und dem Lebensmut Raum geben. Ich lade Sie alle ein, aus ganzem Herzen den Hymnus der Auferstehung zu singen und wünsche Ihnen die Freude dieses Festes und das Licht des auferstandenen Herrn.

 

 

Bonn, Ostern 2012

 

In väterlicher Liebe

 

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland