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19.01.2011 00:00 Alter: 7 yrs

Segnung des Basiliuskuchens (Vasilopita) der Griechischen Botschaft in Berlin


GRUSSWORT 

des Metropoliten Augoustinos

von Deutschland 

und Exarchen von Zentraleuropa

 

anlässlich der Segnung des Basiliuskuchens (Vasilopita) 

der Griechischen Botschaft in Berlin 

(19. Januar 2011)

Verehrte Anwesende!

Für einen Nicht-Griechen mag die heutige Feier unbekannt, ja vielleicht sogar befremdlich sein. Die Tatsache, dass ein orthodoxer Geistlicher, in diesem Fall sogar der Metropolit, einen Kuchen segnet und dann anschneidet, erscheint zunächst kurios. Wenn Sie aber nun hören, dass in einem der Stücke des Kuchens, die verteilt werden, eine Münze versteckt ist, könnte es sein, dass, wenn heute hier Franzosen anwesend sind, sie in diesem Kuchen ihren „gâteau des rois“ oder ihre „galette des rois“ wiedererkennen. Und auch in Ländern Südosteuropas wie Rumänien, Bulgarien oder Albanien teilt man ja zu Neujahr einen Kuchen, in dem etwas versteckt ist.

Dass dieser Kuchen, den wir Vasilopita nennen, allerdings nichts mit dem König (griech.: βασιλεύς) zu tun hat, sondern mit jenem heiligen Bischof Basileios, den die orthodoxe Kirche am 1. Januar feiert, ist typisch griechisch. So typisch, dass dieser Kuchen nicht nur in der Kirche, sondern in der Familie und im Freundeskreis, in Vereinen und Berufsverbänden, in privaten und öffentlichen Institutionen gesegnet und verteilt wird.

Und was hat Basileios der Große, jener Kirchenvater des 4. Jahrhunderts, der in Kappadokien lebte und wirkte, damit zu tun? Die Legende sagt, dass Basileios bei einer Belagerung seiner Bischofsstadt die Einwohner aufforderte, um ein Blutvergießen zu vermeiden, sollten sie ihren Goldbesitz als Lösegeld anbieten. Als der Bischof mit all dem Schmuck im Gepäck als Emissär bei den Belagerern eintraf, seien diese über die unerwartete Geste so erschrocken gewesen, dass sie die Belagerung abbrachen und das Gold zurückließen. Wie sollte der Bischof nun das nicht benötigte Lösegeld seinen Besitzern zurückgeben, da er nicht wusste, wer was gespendet hatte? Seine Lösung des Problems war, dass er alle Gold- und Schmuckstücke in Brote einbacken ließ, die er unter der Bevölkerung verteilte. Und die Legende wäre keine Legende, wenn nicht jede Familie genau den ihr zustehenden Teil des Schmuckes zurückerhalten hätte!

Heutzutage ist nur in einem Stück des Kuchens eine Münze und nicht in allen. Das hat nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Vielleicht schon eher mit der Tatsache, dass diese Solidarität, die damals die Einwohner von Kaisareia gezeigt hatten, heute nicht mehr so üblich ist. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich rede nicht von der Krise der Wirtschaft, sondern von der Krise der Werte, um die es geht.

In dem Segensgebet über den Basiliuskuchen heißt es dementsprechend: „Lenke unsere Schritte zum Handeln nach deinen göttlichen Geboten, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“ Die Bibelkundigen unter Ihnen kennen die Stelle im Neuen Testament, die hier zitiert wird: es geht um die Ablehnung der Versuchung des rein Materiellen, das hier unter dem Begriff „Brot“ zusammengefasst wird.

Es gibt, verehrte Anwesende, eben mehr als das Materielle in unserem Leben, egal ob es sich um Staaten, um Familien oder um einen jeden einzelnen von uns handelt. Diese einfache, aber grundlegende Erkenntnis wünsche ich Ihnen allen im noch neuen Jahr 2011. Möge sie sich als Segen ausbreiten und geteilt werden – genau wie unser Basiliuskuchen heute.

Gott segne einen jeden einzelnen von Ihnen, Gott segne die Arbeit in diesem Haus, Gott segne unsere Heimatländer und ihr Wirken für den Frieden!

Herzlichen Dank!