Deutsch
Ελληνικά
31.08.2013 23:10 Alter: 6 yrs

Botschaft zum 1. September

des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios


+   B A R T H O L O M A I O S

durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,

und Ökumenischer Patriarch

allem Volk der Kirche Gnade und Friede

vom Schöpfer und Bewahrer der ganzen Schöpfung,

von Christus, unserem Herrn und Gott und Erlöser

 

Im Herrn geliebte Brüder und Kinder,

wir haben den 1. September erreicht, den Beginn des Kirchenjahres, den das Ökumenische Patriarchat und dann die ganze Orthodoxe Kirche zum Tag des Gebets für die natürliche Umwelt bestimmt haben. Aufgrund auch dieser unserer Initiative hat das Interesse am Schutz der natürlichen Umwelt zugenommen und zahlreiche Maßnahmen für die Nachhaltigkeit und das Gleichgewicht der Ökosysteme der Erde sowie für alle damit zusammenhängenden Probleme werden ergriffen.

Da bekannt und nachgewiesen ist, dass "die Gesetze der Natur weder aufgehoben noch gestört werden, aber immer konstant bleiben" (Johannes Chrysostomus, Über den armen Lazarus VI, PG 48 1042), sind wir heutzutage verpflichtet, unsere Aufmerksamkeit auf die unscheinbaren menschlichen Eingriffe in das ökologische Gleichgewicht zu richten, das nicht nur durch sichtbare zerstörerische Handlungen gestört ist, wie Abholzung, Ausbeutung der Wasserressourcen und übermäßige Nutzung von natürlichen Ressourcen und Energien, sowie Verschmutzung großer Land- und Meeresregionen durch Austreten oder Lagerung von toxischen und chemischen Stoffen, sondern auch durch Aktivitäten, welche für das bloße Auge unsichtbar sind. Auch die Eingriffe in die Gene der Lebewesen und die Schaffung von Mutationen mit unvorhersehbaren Entwicklungen, wie auch die Entdeckung von Möglichkeiten der Freisetzung atomarer und nuklearer Energie sind so beschaffen, dass ihr Missbrauch alle Spuren des Lebens und der Zivilisation auf unserem Planeten auslöschen könnte. In solchen Fällen sind Gier und Machthunger nicht die alleinigen Kriterien derer, die solche Eingriffe und Mutationen an den Lebewesen vornehmen, die Gott als "sehr gut" geschaffen hat, sondern auch die Arroganz mancher, die sich der Weisheit Gottes zu widersetzen suchen und sich selbst in der Lage sehen, Sein Werk sogar noch zu verbessern. Die alten Griechen nannten diesen geistigen Zustand "Hybris", und dies bezeichnet das selbstgefällige Auftreten von Jemandem mit begrenztem Geist gegenüber dem allwissenden und allmächtigen Schöpfer.

Natürlich sind wir nicht gegen die wissenschaftliche Forschung, solange sie im nützlichen Dienst der Menschheit und der Umwelt steht. So ist die Verwendung ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse zum Beispiel für die Heilung von Krankheiten sicherlich akzeptabel, aber die überstürzte kommerzielle Nutzung von Produkten der zeitgenössischen chemischen und biologischen Technologie, bevor festgestellt wird, dass sie für den Menschen nicht schädlich sind, ist sicherlich abzulehnen, weil dies immer wieder tragische Folgen für den Menschen und die Umwelt gehabt hat.

Die Wissenschaft handelt richtig, wenn sie ständig die Naturgesetze und die natürliche Ordnung der Dinge erforscht und zu deuten versucht. Gottes Gebot an die Urväter „Macht euch die Erde untertan!“ erlaubt es, die natürlichen und biologischen Vorgänge, die in ihr stattfinden, damit die gesamte natürliche Umwelt paradiesisch sei, zu erforschen und zu erkennen. Allerdings darf die Suche nach Erkenntnis und ihre Anwendung nicht nur den Gewinn zum Ziel haben und so zu einem selbstgefälligen Versuch eines neuen Turmbaus von Babel werden, bei dem die Geschöpfe Gottes versuchen, den Schöpfer selbst zu erreichen, ja, nach der Einbildung mancher, sogar zu übertreffen. Leider vergessen die Menschen manchmal die Tatsache, dass "die Quelle der Schönheit alle Dinge geschaffen hat" (Weish 3,13) und  dass „Seine Hand die Fundamente der Erde gelegt hat und Seine Rechte den Himmel ausgespannt hat“ (vgl. Jes 48,13).

Und daher ist es unsere Pflicht, für uns als Hirten der Kirche und für jeden Menschen des Geistes und der Wissenschaft, aber auch für alle gläubigen Christen, Gutes zu tun und vor allem dafür zu beten, dass der göttliche Schöpfer des Alls die Wissenschaftler, die sich besonders mit diesen Fragen befassen, dahingehend erleuchte, dass sie in Demut vor Gott und mit Respekt gegenüber den Gesetzen der Natur in deren Geheimnisse eindringen und, wie gesagt, den überstürzten Missbrauch ihrer Forschung zu gewerblichen oder anderen Gründen vermeiden mögen. Eine lange Erfahrung ist notwendig, um festzustellen, dass die positiven Auswirkungen der neuen Wissenserkenntnisse und ihrer Anwendung nicht auch schädliche Nebenwirkungen für die Umwelt und natürlich auch für den Menschen selbst aufweisen.

Bei der Erschaffung der Welt bewirkten die Stimme und der erste Auftrag des Herrn, "dass die Natur ihre eigenen Gesetze haben soll in unserer Welt, so dass sie in der Lage sei, Früchte hervorzubringen und zu tragen für alle Zeit“ (Basilius der Große, Hexaemeron IX, PG 29,96A); so wurde auch ihre Nachhaltigkeit gewährleistet. So wird die Erde weiterhin Früchte hervorbringen und tragen, wenn wir, ihre Bewohner, ihre eigene natürliche Ordnung bewahren  und nach den Geboten und Gesetzen Gottes leben und diese erfüllen und anwenden. Dann wird Er allein "Regen geben zur rechten Zeit; die Erde liefert ihren Ertrag, und der Baum des Feldes gibt seine Früchte; (…) Wir werden uns satt essen an unserem Brot und in unserem Land in Frieden wohnen" (vgl. Lev 26,4-5).

An diesem wichtigen Tag und zu Beginn des neuen Jahres beten wir mit Josua, mit dem engelgleichen Symeon, mit den sieben Jünglingen von Ephesus und dem heiligen Psalmisten David, dass der Herr Seinen Geist sende und das Angesicht der Erde erneuere (vgl. Ps. 103,20), dass er das Werk Seiner Hände segne und uns würdige, friedvoll die Zeit, die vor uns liegt, zu durchschreiten. Und wir rufen auf jene, welche die Kräfte der Natur erforschen, die Erleuchtung, die Gnade und den Segen des Heiligen Geistes herab. Amen.

+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel

Euer aller inständiger Fürbitter