Deutsch
Ελληνικά
28.04.2016 02:15 Alter: 3 yrs

Osterbotschaft

des Metropoliten Augoustinos von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa


“Ich bin die Auferstehung und das Leben.

(...) jeder, der lebt und an mich glaubt,

wird auf ewig nicht sterben“

(Joh 11, 25-26)

 

 

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

Gerade mal vor zwei Tagen, am Karfreitag nämlich, haben wir in den Gottesdiensten unserer Kirche das Leiden Christi miterlebt und sind ihm bis zum Ort seiner Kreuzigung gefolgt. Dort haben wir die Bitte eines der beiden Räuber gehört, die mit Christus gekreuzigt wurden: „Herr, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“[1] In der Stunde seiner absoluten Verzweiflung, als sein Tod naht, zeigt dieser Räuber nicht nur seine Reue, sondern auch seinen Glauben, dass der Tod nicht das Ende bedeutet.

Die Umkehr und der Glaube dieses Menschen werden von Christus mit einer ergreifenden Antwort belohnt: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“[2] Christus kommt auch in dieser furchterregenden Stunde seines Sterbens einem Menschen entgegen, der ihn sucht und sich Ihm anvertraut; und heilt ihn dadurch: Er versichert ihm, dass er keine Strafe, sondern Vergebung bekommen werde und dass er nicht leiden, sondern sich der Liebe Gottes erfreuen werde; sogar heute noch.

Aus Liebe hat Gott den Menschen erschaffen; aus Liebe hat Er seinen Sohn gesandt, um jeden Menschen, der sich fern von Gott durch Sünde und Tod quält, zu befreien; und aus Liebe schenkt Christus jedem Menschen die Möglichkeit des ewigen Lebens durch seine Auferstehung.

Wir alle, die wir gerade in der Kirche sind, fragen uns oft: Was erwartet mich nach dem Tod, Freude oder Leid? Wird mein Glaube stark genug sein? Was ist stärker, das Schlechte oder das Gute, das ich getan habe? Und was ist aus meinen Verwandten und Freunden geworden? Werde ich sie wieder treffen? Alle diese Fragen sind Ausdruck der Angst, die alle Menschen dieser Welt teilen; sogar diejenigen unter uns, die besonders gläubig sind. Christus befreit uns von dieser Angst. Er spricht nicht nur über das ewige Leben, sondern Er zeigt es uns auch, indem Er den Tod besiegt. Am Ostersonntag offenbart uns Christus mit seiner Auferstehung, was für eine Zukunft Gott für uns bereithält. Kurz vor der Auferweckung des Lazarus sagt Christus zu dessen Schwester Marta: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“[3]

Und wenig später versichert er seinen Jüngern beim Abschiedsmahl: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. (...) Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten. Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“[4] Die Liebe Gottes ist keine Theorie; sie ist die persönliche Beziehung zwischen Gott und einem jedem von uns. Wie oft haben wir die Anwesenheit Gottes in unserem Leben gespürt! Und zwar so, als ob Er fast zum Greifen nah wäre: vielleicht im unschuldigen Blick oder dem Lächeln eines Kindes; durch Worte des Trostes, die ein Freund für uns gefunden hat, als es uns schlecht ging; durch einen schönen Sonnenuntergang oder den Duft einer Blume; durch einen Hymnus unserer Kirche, der uns angesprochen hat, oder durch einen Vers aus der Heiligen Schrift, der in unser Herz eingedrungen ist und es geprägt hat.

Die Liebe als persönliche Beziehung zwischen Gott und einem bestimmten Menschen ist also etwas, das Bestand hat und nicht vergeht. Sie kann sozusagen kein Verfallsdatum haben. Gerade deswegen hat der Apostel Paulus auf die wichtige Frage: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“[5], folgende tiefgreifende Antwort gegeben: „Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, (...) weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“[6] Es ist genau diese Liebe, in der wir uns mit unseren Verwandten und Freunden, die vor uns gegangen sind, wieder treffen werden; an jenem Platz, den Christus für uns bereitet hat.

Nachdem der Herr zugesagt hatte, dass jeder, der lebt und an ihn glaubt, auf ewig nicht sterben wird, fragte er Marta – und jetzt fragt er auch einen jeden von uns: „Glaubst du das?“[7] „Ja, Herr, [antwortete ihm Marta] ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“[8] Dies ist mein Wunsch für uns alle: Lasst uns auf diese Frage Christi mit dem Glauben von Marta und mit der Gewissheit des Apostels Paulus antworten! Ja, Herr, du bist Christus, der Sohn Gottes, und nichts kann uns von deiner Liebe trennen! In diesem Sinne: ein gesegnetes Osterfest!

 

Bonn, Ostern 2016

 

+ Metropolit Augoustinos von Deutschland

 



[1] Lk 23,42.

[2] Lk 23,43.

[3] Joh 11,25-26.

[4] Joh 14,2-3.

[5] Röm 8,35.

[6] Röm 8,38-39.

[7] Joh 11,26.

[8] Joh 11,27.