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30.12.2016 17:11 Alter: 115 days

Neujahrsbotschaft 2017

des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos


Liebe orthodoxe Christen in Deutschland!

«Wir alle, die glauben» beginnen das neue Jahr mit Beten. Wir preisen Gott und danken ihm für seine Liebe, mit der er uns in Freude und Leid im vergangenen Jahr umgeben hat. Gleichzeitig bitten wir ihn, das neue Jahr zu segnen: Mögen wir täglich seine innige Liebe zu uns verspüren und so im Leben und Glauben voranschreiten.

Ein leuchtendes Beispiel eines Menschen, der im Leben und Glauben vorangeschritten ist, feiern wir heute, denn der 1. Januar ist der Gedenktag des Kirchenvaters Basilius, der im Gedächtnis der Kirche bis heute als «der Große» bezeichnet wird, selbst wenn 17 Jahrhunderte seit seinem Entschlafen vergangen sind. Bekanntlich ist üblicherweise der Todestag eines Heiligen sein Gedenktag. Unsere Kirche nennt den Tod «Entschlafen», da sie ihn nicht wie jemand, der keine Hoffnung hat, als Schlusspunkt betrachtet, sondern als Übergang zum Leben, zu einem Leben, das wir «ewig» nennen, da es in die Ewigkeit der Ewigkeit bei Gott geborgen ist. Dieses ist das Ziel jedes Gläubigen. Und genauso wichtig wie dieses Ziel, ist auch der Weg, der dahin führt. Das ewige Leben ist unzertrennlich mit unserem irdischen Leben verbunden, mit der Art und Weise, wie wir unser Leben bis zur Stunde unseres Todes, die wir nicht kennen, gestalten.

Basilius der Große hat nur 49 Jahre gelebt und ist sicher nicht der einzige Heilige unserer Kirche, von dem wir sagen, dass er früh verstorben sei. Aber eigentlich geht es doch nicht darum, wie lange jemand gelebt hat, sondern wie er gelebt hat. Und gilt das nicht auch für uns?

Basilius der Große hat seine Lebenszeit nicht vergeudet. Er wuchs in einer christlichen Familie auf, deren Frömmigkeit alle ihre Mitglieder kennzeichnete. Er absolvierte die besten Studien seiner Zeit, gab aber seine Karriere auf, um als Mönch in Askese und Besinnung zu leben. Als die Kirche ihn benötigte, gab er die monastische Ruhe auf und wurde in schwieriger Zeit Erzbischof von Cäsarea. Er unternahm große Anstrengungen und musste Vieles erleiden, um die Einheit der Orthodoxen zu wahren und um die Reinheit des orthodoxen Glaubens zu verteidigen. Er schrieb theologische Werke, die bis heute bewundert werden. Im gleichen Maß aber, wie er für den rechten Glauben als Voraussetzung für das Heil tätig war, sorgte er auch für die praktischen Nöte der Menschen, aller jener, die wir bis heute als Notleidende bezeichnen.

Er gründete ein philanthropisches Hilfswerk, das wegen seiner Größe und seiner Einzigartigkeit nach ihm benannt wurde. Darin gab es ein Krankenhaus, ein Waisenhaus, ein Altersheim und ein Gästehaus für die Pflege der erkrankten Bedürftigen und Fremden. In dieser Einrichtung taten Freiwillige ehrenamtlich Dienst, die Basilius der Große inspiriert hatte; sie halfen damit Menschen, die am Rande der Gesellschaft waren. All dies leistete Basilius, der in der Tat ein Großer war, aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen, obwohl seine Gesundheit schon früh angegriffen war. Nichts hinderte ihn jedoch auf seinem Weg, weder Gegner, noch Drohungen der Machthaber, nicht seine Erkrankungen und nicht seine körperliche und seelische Erschöpfung oder scheinbare Ausweglosigkeiten. Nichts konnte ihn letztlich von der Liebe Christi trennen. Er entschlief im Alter von 49 Jahren. Das Wichtigste auf seinem Grabstein war nicht sein Geburtsjahr und sein Sterbedatun, sondern das, was dazwischen lag, was bewies, dass er wirklich und richtig gelebt hatte.

Mein Wunsch am heutigen Neujahrstag ist es, dass wir unser Leben überdenken, wie wir leben; dass wir spirituelle Besonnenheit besitzen wie der heilige Basilius, dass wir in unserem Leben und Glauben voranschreiten in tätiger Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen. Nur so können die Boshaftigkeit der Sünde und die Angst vor dem Tod verschwinden. Nur so können wir aufhören, uns herauszureden, dass die Anderen schuld seien, und uns hinter Ausreden und unserer angeblichen Schwachheit verstecken. Dann ist nämlich jede Minute unserer Lebenszeit nicht nur Teil einer ablaufenden Zeit, sondern vielmehr eine unwiederbringliche Gelegenheit, immer wieder neu zu beweisen, dass wir wirklich und richtig leben, indem wir Christus, das Leben der Welt, lieben.

 

Ein gesegnetes neues Jahr!

 

Bonn, den 1. Januar 2017

 

Euer Metropolit Augoustinos von Deutschland