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05.10.2011 08:42 Alter: 8 yrs

Beitrag im Ökumenischen Gottesdienst zum Tag der deutschen Einheit

Metropolit Augoustinos von Deutschland 3. Oktober 2011 (Bonn)


„Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noah, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.“

 

So lesen wir im ersten Buch des Alten Testaments, der Genesis (8, 11), und jeder von uns kennt die beschriebene Situation: das Ende der Sintflut. Viele Kommentatoren der Bibel haben sich mit der Frage beschäftigt, warum gerade ein Olivenzweig, warum gerade ein Ölbaum? Es gibt doch auch andere Bäume dort im Nahen Osten, wo dies geschehen ist?

Der heilige Ambrosius von Mailand bemerkt dazu, dass der Ölbaum ein Sinnbild erbarmender Liebe sei, denn das Öl, das man aus seiner Frucht gewinnt, sei ein Heilmittel gegen Verwundungen.[1] Und für meinen Namenspatron, den heiligen Augustinus[2] bezeichnet der Ölbaum darüber hinaus auch den Frieden, weil das Öl Sinnbild der Salbung heiliger Liebe ist, und ohne Liebe kein Friede sein kann. Die Taube brachte Noah die erbarmende Liebe Gottes und den Frieden.

So kommt es, dass der Olivenzweig zum Symbol des Friedens geworden ist, überall auf der Welt. Sogar die Vereinten Nationen haben ihn in ihrem Wappen.

Als die Taube zu Noah zurückkehrte, war dies der Moment des Olivenzweigs, die Zeit des Übergangs von der Katastrophe zum Frieden. Für uns ist dieser Frieden ein Geschenk Gottes, ein Segen, für den wir tätig sind, Gabe und Aufgabe also für den Menschen. Gott schenkt uns ja auch nicht das fertige Öl, sondern den Ölbaum; den müssen wir aufziehen, bewässern und pflegen. Wir müssen etwas dafür tun, damit aus der Frucht des Olivenzweigs Öl wird.



[1]. Serm fer. 6 in Parasceve.

[2]. In ps. 127,13.