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30.12.2011 23:50 Alter: 8 yrs

Neujahrsbotschaft

des Metropoliten von Deutschland und Exarchen von Zentraleuropa Augoustinos


Achtet also  sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt,

nicht töricht, sondern klug.

Nutzt die Zeit, denn diese Tage sind böse.“„

(Eph 5,15 f.)

 

Liebe orthodoxe Christen in Deutschland,

 

ich freue mich über diese Möglichkeit, mit Euch, die Ihr überall in Deutschland lebt, in Verbindung zu treten, und zwar heute, an diesem ersten Tag des neuen Jahres 2012. Ich freue mich aber auch darüber, dass Ihr dieses Jahr in der Kirche beginnt, was schon an sich Eure Liebe zu Gott zeigt. Das bedeutet ja, dass Euch die Bedeutung seines Segens bewusst ist, insbesondere an diesem Tag, der, sei es auch nur in einem konventionellen Sinn, eine Zwischenstation in unserem Leben darstellt.

 

Gepriesen sei der Name des Herrn der Herrlichkeit! Wir sind versammelt in unseren Kirchen, und unser Herz strömt über von Dankbarkeit für das, was wir durch seine Gnade im vergangenen Jahr erlebt oder auch überlebt haben – die guten und die schweren Tage – aber auch für die Möglichkeiten, die sich uns eröffnet haben. Sicherlich können wir nicht die Zukunft vorhersehen. Wir können nicht wissen, was uns das neue Jahr bringen wird und inwieweit es uns möglich sein wird, freiwillig oder unfreiwillig die Dinge zu beeinflussen. Wir wissen aber, dass unser Gott - der Gott, der Liebe ist - uns im Wortsinn mit außerordentlichen Fähigkeiten ausgestattet hat. Und nicht nur das! Er gewährt uns auch immer wieder neue Chancen, diese Fähigkeiten, zu unserem eigenen und zum allgemeinen Wohl, zu erproben. Auch dieses neue Jahr wird uns viele solche Chancen bieten.

 

Gewiss gibt es nicht wenige Anlässe, enttäuscht zu sein – besonders über uns selbst: Sei es wegen verpasster Gelegenheiten, sei es, dass wir die Gelegenheiten gar nicht als solche aufgefasst haben und dass wir sie erst erkannt haben, als es schon zu spät war. Dann werden wir traurig wegen unserer Unbeständigkeit, wegen unseres Mangels an Weisheit und manchmal auch wegen unserer Feigheit.

 

Aber der Geist, den Gott uns allen gegeben hat, ist kein Geist der Feigheit, sondern ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Darum mahnt uns auch der Apostel Paulus, darauf zu achten, wie wir leben: nicht unverständig, sondern verständig, und unsere Zeit richtig zu nutzen, denn wir leben in Zeiten der Bosheit. Wie böse unsere Zeit ist, muss nicht weiter ausgeführt werden. Aber wenn die Zeiten böse sind, so sind wir, wie uns unser Herr gesagt hat, gleichwohl „klug wie die Schlangen“ und besonnen. Wenn wir uns auf den Geist der Kraft, den Geist Gottes in uns, stützen, verzweifeln wir nicht, unabhängig davon, wie schwer die Lage für uns ist. Wie sehr wir uns auch verlaufen, unser Ziel lassen wir nicht aus den Augen. Wie klein unsere Schritte auch sein mögen, ja sogar wenn es bisweilen Rückschritte sind, wir schätzen sie nicht gering. Auch die Rückschritte können eine große Lehre für uns sein, und selbst kleine Schritte in die richtige Richtung zeigen uns, trotz unserer Unzulänglichkeiten, trotz der Tatsache, dass wir keinen hundertprozentigen Erfolg errungen haben, dass wir dank der Gnade Gottes nicht auf der Stelle stehen bleiben.

 

Überlassen wir es im übrigen dem Herrn unseres Lebens zu beurteilen, ob und inwieweit unsere Bemühungen klein oder groß sind. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang nicht die Quantität, sondern die Qualität unseres Handelns. Und weil die Qualität eine Angelegenheit des Herzens ist, ist Gott der einzige, der das Recht auf ein Urteil hat, weil er allein weiß, was wir wirklich denken und wollen.

 

Freut Euch also, meine Brüder und Schwestern! Laßt uns Tag für Tag die Flamme des Glaubens erneuern! Selbst ein ein winziges Licht ist wertvoll in dieser dichten Finsternis! Lasst uns dem Geist Gottes, dem Geist der Kraft und des Mutes, die Freiheit geben, uns beizustehen und uns zu inspirieren. Christus hat uns nicht allein gelassen. Er hat uns seinen Geist geschenkt, den Tröster, und das ist unser großes Geheimnis, wenn wir es nur würdigen! Wir werden niemandem erlauben, uns das Lächeln zu nehmen. Unser Leben, jeder Augenblick unseres Lebens, ist ein unschätzbares Geschenk. Wir werden es nicht missmutig vergeuden, sondern uns als gute Verwalter seiner Schönheit freuen.

 

Freut Euch, meine geliebten orthodoxen Christen in Deutschland! Und wiederum sage ich Euch: Freuet Euch!

 

 

Bonn, am Neujahrstag 2012

 

Metropolit Augoustinos von Deutschland