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10.01.2012 13:06 Alter: 8 yrs

Grußwort anlässlich der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland

(Januar 2012)


Sehr geehrter Herr Präses, hohe Synode!

"Zeit zu leben, Zeit zu sterben" lautet das theologische Hauptthema Ihrer diesjährigen Synode. Natürlich hat mich diese Überschrift sofort an das Buch Kohelet erinnert (Im Griechischen nennen wir es EKKLESIASTES, da schwingt bereits eine Vorahnung der EKKLESIA mit…) Dort lesen wir in den ersten Versen des dritten Kapitels die bekannten Sätze: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen usw.“

Kyrill von Jerusalem zitiert dieses Wort des Predigers in seinen Mystagogischen Katechesen und wendet sich damit an die Taufbewerber. „Für euch“, sagt er, „gilt es umgekehrt: eine Zeit des Sterbens und des Geborenwerdens. Ein einziger Zeitpunkt bewirkt das eine wie das andere: zugleich mit eurem Tode erfolgte eure Geburt.“ [1]Und er meint damit wohlgemerkt nicht das Weiterleben der Seele nach dem Tode, oder den Tod als „Geburt zum ewigen Leben“. Er meint vielmehr die Taufe als Sterben des alten Menschen und als Neugeburt, ja, als österliches Zeichen der Auferstehung. Deswegen ist uns orthodoxen Christen ja auch bei der Taufhandlung das Untertauchen als Zeichen des Sterbens und Auferstehens so unverzichtbar wichtig.

Auf Ihr Thema bezogen möchte ich sagen, dass dieser österliche Aspekt des Sterbens in der Taufe - aber auch des körperlichen Sterbens - als Tor zum Leben ein Grundmotiv der altkirchlichen und auch der orthodoxen Theologie und Weltsicht ist. Es hat mich deshalb gefreut, auch im Text der Orientierungshilfe der GEKE, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben, eine leise Anspielung an die ANASTASIS im Kapitel, das den theologischen und ethischen Rahmen wiedergibt, zu finden.

Ein letzter philologischer Hinweis möge mein Grußwort beschließen: im Septuaginta-Text des Prediger-Buches wird diese bestimmte Zeit des Geborenwerdens und des Sterbens mit dem Wort „KAIROS“ wiedergegeben. Eine Zeitlang war dieses Wort ja auch in der Ökumene gang und gäbe. Es bezeichnet den „guten, richtigen Zeitpunkt“, sozusagen den Augenblick, den es zu nutzen gilt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen: möge auch diese Synode hier in Bad Neuenahr gesegnet sein, möge sie ein KAIROS sein! Vielen Dank!

 

Metropolit Augoustinos von Deutschland

Exarch von Zentraleuropa



[1]              Mystagogische Katechese 2